Hochzeitszeitung
Der Höllenritt
Am Samstag, den 6.7.2002 feierten wir das letzte Mal das Junggesellendasein mit unserem Freund, dem Steini. Nach wochenlanger Vorausplanung war es dann endlich soweit, die Foltergesellschaft traf sich um 6 Uhr in der Früh bei Familie Krebs, um das Servicemobil zu beladen.



Nachdem der Laster mit dem Nötigsten bestückt war, wie beispielsweise Zapfanlage, Getränke, einer Musikbox und einer kleinen Herde von Kühen und Schweinen, machten wir uns mit ausreichend flüssigem Proviant auf den Weg in Richtung Jens.

Dort angekommen drangen wir auf leisen Sohlen bis ins Schlafzimmer vor, um unser zukünftiges Ehepaar mit all dem zu wecken, was ein Fußballstadion zu bieten hat (Banänchen, Banänchen... uuh, uhh, uhh!!). Nachdem des Fiepen in den Ohren etwas nachließ und unser Freund ca. 100 Brötchen mit Worscht und Käse belegt hatte, ging es mit der 120 in Richtung Offenbach Hauptbahnhof. Damit auch wirklich jeder wusste, wer der Junggeselle ist, musste unser Opfer ständig eine Kuhglocke, eine Schatzkarten mit Weg- und Aufgabenhinweisen und Erna mit sich herumtragen.
Als wir dann endlich am Zielbahnhof in Freudenberg ankamen und viele Passanten, Fahrgäste und Zugschaffner mit unseren Liedern unterhalten hatten, ging es für unseren Jens langsam zur Sache. Für ihn wurde eine Route festgelegt, die ca. 10 km quer durch den Odenwald führte. In bestimmten Abständen wurden Stationen aufgebaut, die verschiedene markante Lebensabschnitte unseres Freundes symbolisierten. An jeder Station musste Jens die zum Thema passende Montur anziehen, Aufgaben erledigen und einen Fragebogen zum jeweiligen Lebensabschnitt beantworten. Die Stationen waren so gestaltet, dass Jens die Aufgaben nicht erfüllen konnte und sich des öfteren mit einem Schnaps den nächsten Hinweis "erkaufen" musste.

Station 1: "Anthrax"
Da Jens früher mal ein Headbanger war, musste er natürlich seinen gefürchteten "Air Guitar Tanz" vorführen. Im Anschluß daran wurden ein paar friedliche Becks-Döschen erstochen.
In Anlehnung an seine Anglerzeit wurde ein Fisch mustergültig und nach allen Regeln der Kunst ausgenommen und verspeist.. Die Organisatoren dieser Station hatten keine Kosten und Mühen gescheut und sogar die schwarze, heilige "Steini-Kutte" mit den entsprechenden Aufnähern und Brandlöchern besorgt! Auch das legendäre Metallica-Shirt kam zum Einsatz während zum wiederholten Male das ....zitter, zitter, zitter Aal-Lied erklang.

Station 2: "Lähmi"
Bei dieser Station musste "der einzige und richtige Steini" mit einem Fangnetz Heinz Ketchup in Tüten fangen und ein in flammen stehendes Modellhaus aus Holz und Pappe löschen. Ein Schnapstest wurde im Anschluß absolviert, um sich an den demütigenden und vergänglichen Niederlagen auf diversen Festen zu rächen. (Der Bärwurz hat ihm übrigens besonders gut geschmeckt!). Ich denke diese etwas ausgefallenen Aufgabenstellungen hängen mit diversen Erlebnissen aus jüngeren Tagen zusammen, die hier aus Gründen der Diskretion nicht näher beschrieben werden sollen. (Tja, da muss man wohl dabei gewesen sein). Die typische Kleidung von damals hat dann aber doch jeder gekannt. - Übrigens: Lila Shorts passen gut zu grünkariertem Hemd.

Station 3: "Rugby"
Hier wurde sein Lieblinssport thematisiert. Auf einer Lichtung lag seine Sportkluft, die er innerhalb von nur 3 Minuten anziehen musste. Nach Anpfiff wurde er von 3 leicht übermütigen und dezent "al denten" Rugbyspielern umgerannt.
Im Anschluß daran sollte Freund Steini noch ein Stangenkicken durchführen bei dem er bitter kläglich versagte. Aber wen wundert's? Waren doch auf halbem Weg die mobilen Getränkevorräte schon erschöpft!

Nachdem obligatorischem Fragebogen, der so einfache Fragen wie "Wie hieß der Kapitän der Nationalmannschaft von Fidji in der Saison 88/89" enthielt, wurde noch eine Tackle-Übung in das Programm der Station eingebaut.


Station 4: "Grüner Stein"
Als Ex - Soldat wurde Jäger-Jens rennend, robben und auf allen Vieren durch den Wald gescheucht. Der Feldwebel befahl Ihm, sich als Gebirgsbach zu tarnen, was auch ganz gut klappte. Um dem Hungertod zu entgehen, sollte schnell etwas Eßbares im Wald gefunden und verspeist werden was auch erfolgreich durchgeführt wurde. Doch leider wurde die Speise in Form eines Farnblattes direkt wieder zur Mutter-Natur zurückgeführt.

Station 5: "GWS"
Hier standen Schweiß- und Lötarbeiten auf der Aufgabenliste. Unserem Spengler fehlte zum Glück das entscheidende Teil für den Bunsenbrenner, da sonst unter Umständen der gesamte Odenwald in Flammen aufgegangen wäre. Nach getaner Arbeit sind die Verantwortlich dieser Station ,auf Grund der besonders arbeitsintensiven Vorbereitung, direkt in ein dezentes und ausgiebiges Schlafkoma gefallen.
Als dann alle Stationen mit einigen Ausfällen und 2 Vermißten bewältigt waren, kamen wir am späten Nachmittag erschöpft und dürstend im Camp an. Unser Vorauskommando hatte bereits die Tiere geschlachtet, das Bier gezapft und die Musik voll aufgedreht. So konnte der Abend locker und vergnügt ausklingen.

Am nächsten Morgen erkannte man einige kaum wieder. Erst zu diesem Zeitpunkt wurde uns bewußt, dass sich unser Camp direkt auf einem Brennnesselfeld welches von Pferdeäpfeln umringt war, befand. Des weiteren haben ca. 36.000 Zecken auf unseren Körpern über Nacht eine kleine Blutparty gefeiert. Doch nach einer kleinen Katzenwäsche im eiskalten Bach konnten wir dann zum Glück zur gewohnten Tagesordnung übergehen und unseren wohlverdienten Frühschoppen zu uns nehmen. Gegen 12:00 Uhr machten wir uns dann langsam auf den 1 ½ Std. Fußmarsch zum Bahnhof . Gegen Spätnachmittag waren wir zurück im guten alten Heusenstamm . Der harte Kern entschloß sich zur Verlängerung des Wochenendes und feiert noch spät bis in die Nacht.

Ich fand' s gut!



Und immer wieder.....zitter, zitter, zitter, zitter!!!!!!